Heimatforscher und Autor Steffen Scholtz liest am 16. Mai aus seiner Stülpner-Biografie

Der Gornsdorfer Heimatforscher Steffen Scholtz stellt am 16. Mai ab 17 Uhr in der Böttcherfabrik in Pobershau, Dorfstraße 112, sein Buch „Mythos Karl Stülpner – Ergebnisse historischer Forschung“ über den erzgebirgischen Wildschützen Karl Stülpner (1762–1841) vor. Auf Grundlage bislang unbekannter Archivalien, darunter umfangreiche tschechische Aktenbestände und eine 760 Seiten starke Kriminalakte aus dem Bergarchiv Freiberg, hinterfragt Scholtz weitverbreitete Legenden und liefert eine differenzierte Neubewertung des Volkshelden. Organisiert wird die Veranstaltung vom Verein Literatur im Erzgebirge.

„Karl Stülpner ist für uns Erzgebirger ein Stück Heimat und viele kennen ihn als ,den grünen Rebell‘ des Erzgebirges aus dem Roman und der Verfilmung der DEFA mit Manfred Krug. Daher sind wir gespannt auf die neuen Erkenntnisse, die Steffen Scholtz mit seinen Forschungen zur Legende Karl Stülpner zu Tage gefördert hat“, sagt Constanze Ulbricht, Vorstandsvorsitzende des Vereins Literatur im Erzgebirge.

Das 472 Seiten umfassende Buch „Mythos Karl Stülpner – Ergebnisse historischer Forschung“ erschien im September 2025 in der Claus Verlag GmbH Limbach-Oberfrohna erschienen und für 35 Euro im Buchhandel erhältlich.

Karl Stülpner ist seit zwei Jahrhunderten eine Ikone erzgebirgischer Heimatliteratur, zahlreich gefeiert als „Robin Hood des Erzgebirges“. Die Überlieferungen basieren jedoch oft auf literarischer Ausschmückung, nicht auf belegbaren historischen Fakten. Scholtz fasst sein Bild so zusammen:

„Stülpner wuchs in ärmlichen und schwierigen familiären Verhältnissen auf. Beide Elternteile wurden durch Diebstähle straffällig. Dieses Umfeld prägte ihn frühzeitig. In seinem späteren Leben entwickelte sich der Wilddieb zu einem Narzissten, der seine Interessen mit Gewalt durchzusetzen versuchte und auf andere keine Rücksicht nahm.“

Die neue Forschung offenbart Stülpner als einen Mann mit einer dunklen, von Kriminalität geprägten Seite: Nach mehrfachen Desertionen suchte er Zuflucht in Böhmen und wurde dort Drahtzieher eines umfangreichen Kobaltschmuggels. Der skrupellose Menschenkenner verstand es, andere zu manipulieren und in seine Machenschaften zu verwickeln. „Dabei war es ihm gleichgültig, dass sie schwere Strafen, teilweise sogar die Todesstrafe, zu fürchten hatten“, erläutert Scholtz.

Die Biografie legt umfassend Beziehungsnetzwerke offen, etwa zu Christiane Wolf und ihrer Beziehung zu Stülpner, seinen beiden Neffen Uhlig aus Dittersdorf sowie weiteren, bislang unbekannten Personen.

Trotz der kritischen Bewertung hält Scholtz die Bedeutung der Stülpner-Legende für die regionale Identität hoch: „Es gibt den legendären Stülpner und den historischen. Beide sind völlig unterschiedliche Persönlichkeiten. An der Legende sollte man festhalten, denn sie gehört zum kulturellen Erbe des Erzgebirges.“

Die Biografie beleuchtet besonders Stülpners wenig bekannte Zeit im böhmischen Exil und bietet damit neue Einblicke in das Leben und Umfeld dieses schillernden Charakters. Das Buch richtet sich an Heimatforscher, Historiker, Literaturliebhaber und alle, die mehr über die Geschichte und Kultur des Erzgebirges erfahren möchten.

Eine Leseprobe zum Buch finden Sie unter diesem Link.

Datum: 16. Mai 2026
Mitwirkende: Steffen Scholtz (Autor und Heimatforscher) & Christian Wobst (Verleger)
Ort: Böttcherfabrik in Pobershau, Dorfstraße 112, 09496 Marienberg, Ortsteil Pobershau
Beginn: 17 Uhr
Karten: 12 Euro, zu bestellen unter 0178/9332241